Die 'Agonie' Österreichs in Franz Werfels 'Eine blaßblaue Frauenschrift'
Zusatztext
Studienarbeit aus dem Jahr 2000 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 2,0, Universität Augsburg (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft), Veranstaltung: PS Österreichische Literatur des 20. Jahrhunderts, Sprache: Deutsch, Abstract: Leonidas ist einfach der typische Opportunist seiner Zeit, und die Geschichte einessolchen österreichischen Opportunisten ohne Rückgrat wird uns hier erzählt.1Mit sicherer Hand, knapp und prägnant, entwirft Paulsen in wenigen Worten denthematischen Rahmen, innerhalb dessen sich Werfels Novelle2 Eine blaßblaue Frauenschriftaufspannt: Im Vordergrund steht die Analyse eines Charakters bis in seine feinstenVerästelungen, deren Raffinesse und Reiz vor allem in der Tatsache begründet liegt, daß essich um eine Selbstanalyse handelt, Protagonist und Leser sich demnach stets auf demgleichen Erkenntnisniveau befinden. Mit diesem Erzählstrang eng verzahnt, präsentiert sichdie zweite Ebene, die Werfels Novelle in den Rang eines Zeitroman[s]3 erhebt.Eine blaßblaue Frauenschrift versetzt uns ins herbstliche Wien des Jahres 1936 einSchicksalsjahr im wahrsten Sinne des Wortes. Vor wenigen Monaten erst sah sich derösterreichische Bundeskanzler Schuschnigg gezwungen, ein Abkommen über dieWiederherstellung freundschaftlicher Beziehungen, das sog. Juli-Abkommen, mit demDeutschen Reich zu unterzeichnen, einen Vertrag, der letzten Endes den ersten Schritt inRichtung Anschluß darstellen sollte, insofern er den österreichischen Handlungsspielraumim allgemeinen, besonders aber im Bereich der Außenpolitik dramatisch einengte. Von demitalienischen Diktator Mussolini durfte sich der bedrängte Kleinstaat keine Protektion mehrerhoffen, nachdem dieser seinem deutschen Kollegen bereits im Januar freie Handzugesichert hatte.Die Autonomie Österreichs bedroht, die nationalsozialistische Ideologie in voller Entfaltungbegriffen, eine Welt am Vorabend der Zerstörung: Vor diesem Hintergrund entwirft Werfelein Szenario, das um so beklemmender wirkt, als Strukturen und Verhältnisse desMakrokosmos Österreich sich im Mikrokosmos Individuum widerspiegeln. Wie hat Werfelnun die Figur seines Helden konzipiert, der den Anforderungen und Wertungen seiner Zeitentsprechen sollte? Welche Attribute, welche Charaktereigenschaften ihm zugebilligt?1 Paulsen, Wolfgang, Franz Werfel. Sein Weg in den Roman, Tübingen/Basel 1995, S. 226.2 Wagener Hans, Gericht über eine Lebnslüge. Zu Franz Werfels Eine blaßblaue Frauenschrift, in: brücken,Germanistisches Jahrbuch Tschechien - Slowakei 1995, S. 192.3 Paulsen (wie Anm. 1) S. 233.
Weitere Details
Erschienen: 29.08.2003
Umfang: 15 S., 0.13 MB
Sprache: Deutsch
ISBN/EAN: 9783638214384
Umbreit-Nr.: 4611762
