Die Metamorphose 'Ophélies' zu 'Ophelia'. Die Entwicklungsgeschichte der Figur Georg Heyms und ihr Vorbild bei Arthur Rimbaud.
Zusatztext
Die Todesdarstellung der Königin im vierten Akt des Drama bildet häufig den Ausgangspunkt für diezahlreichen folgenden Nachbearbeitung der Figur und vor allem " ihres Todes.3 Denn was an Ophelia,der Königstochter und Geliebten Hamlets fasziniert, ist vor allem ihr unglückliches Ende und ihrWesen, welches schon zu Lebzeiten nicht irdisch wirken wollte.So beginnt ihr Wandel durch die Literatur: als Kindsbraut, Jungfrau, als Madonna oder engelähnlicheGestalt, meist gehüllt in weiße Kleidung, ermüdet und bleich, aber dennoch anmutig undwunderschön. Als Femme Fragile, als zerbrechliches Wesen wird sie zum Sinnbild eines Opfers derals feindlich erfahrenen Welt - eine Allegorie der Sehnsucht.4Doch auch ihre Gestaltung hat im Verlauf der Epochen Veränderungen erfahren. Konnte die Kunstnoch vor 1800 nicht ohne eine Frauenfigur " die Muse " eine Botin des Himmels auskommen, welchedie Verbindung von Diesseits und Jenseits, also von Welt und Dichtung, übermitteln sollte, erlag siezunehmend dem Bedeutungsverlust. Noch an der Wirksamkeit des Bildes festhaltend, wurde sie raschsäkularisiert und wenig später durch andere Figurengruppen5 ersetzt, zu denen auch ShakespearesOphelia gehörte.6Dem Übergang dieser Figuren in eine andere Welt folgte zugleich eine Erhöhung. [...]3 Vgl. Weinhold, Ulrike: Bemerkungen zu Ophelia, in: Gemert, Guillaume van/Ester, Hans (Hgg.): Grenzgänge.Literatur und Kultur im Kontext (Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur 88), Amsterdam/Atlanta 1990,S.297-309, S.297. Regenberg, Anton: Die Dichtung Georg Heyms und ihr Verhältnis zur Lyrik Charles Baudelaires undArthur Rimbauds. Neue Arten der Wirklichkeitserfahrung in französischer und deutscher Lyrik, Diss. phil., München1961, S.34.4 Vgl. Brokoph-Mauch, Gudrun: Salome and Ophelia. The Portrayal of Women in Art and Literature at the Turn of theCentury, in: Berg, Christian/Durieux, Frank/Lernout, Geert (Hgg.): The Turn of the Century. Modernism and Modernityin Literature and the Arts. (= Le Tournant du Siècle. Modernisme et Modernité dans la Literature et les Artes)(European Cultures. Studies in Literature and the Arts 3), Berlin/New York 1995, S. 466-474.S.466-467.5 Zu diesen lassen sich Gestalten wie Rilkes Engel, Hebbels Klara und eben Ophelia zählen.6 Vgl. Gees, Marion: "Um Ophelia wob etwas?" Weibliche Theatralität und Szenarien poetischer Entgrenzung, in:Borchmeyer, Dieter: Robert Walser und die moderne Poetik, Frankfurt am Main 1999, S.187-208., S.188.
Weitere Details
Erschienen: 22.04.2004
Umfang: 23 S., 0.60 MB
Sprache: Deutsch
ISBN/EAN: 9783638270441
Umbreit-Nr.: 6614161
