Die Formen des Wortspiels in Georg Büchners Lustspiel 'Leonce und Lena'
Zusatztext
Leonce: Mensch, du bist nichts als ein schlechtes Wortspiel. Du hast weder Vater noch Mutter,sondern die fünf Vokale haben dich miteinander erzeugt.1Die Äußerung des Prinzen Leonce über den Narren und Kumpanen, Valerio, dieser sei nichts weiter als einschlechtes Wortspiel, weist in metasprachlicher Funktion der Sprache bereits darauf hin, dass die rhetorischenMittel, das Wortspiel im Besonderen, in Büchners Leonce und Lena eine tragende Rolle spielen. IndemLeonce ihm diese Einschätzung zu Teil werden lässt, klassifiziert er ihn sogleich als den Hauptproduzentensprachlicher Virtuositäten, während die Anmerkung bzgl. seiner "Erzeugung" einen Hinweis auf die Bildungder Wortspiele selbst gibt.Dass diese Feststellung jedoch nicht ausreichen kann, um das Wortspiel als stilistische Figur zu definieren2,zeigen die verschiedenen Positionen der Forschung, die sich mit dem Phänomen in der Literaturwissenschaftsowie in der Linguistik auseinandergesetzt haben.3 [...]1 Georg Büchner: Sämtliche Werke und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe mit Kommentar hrsg. von Werner R. Lehmann. Erster Band.Dichtungen und Übersetzungen mit Dokumentationen zur Stoffgeschichte (Büchners Werke. Hamburger Ausgabe in vier Bänden), Darmstadt1967, S.155, I. Akt, 3. Szene, S.115, V.28-30. Im Folgenden zitiere ich aus dieser Quelle durch Angabe der Seiten-/Akt-/Szenen sowie Verszahlim laufenden Text.2 Vgl.: Wagenknecht, Christian Johannes: Das Wortspiel bei Karl Kraus (Palaestra. Untersuchungen aus der deutschen und englischen Philologieund Literaturgeschichte 242), Göttingen 1965, S.9/10, Kohl, Norbert: Das Wortspiel in der Shakespeareschen Komödie. Studien zurInterdependenz von verbalem und aktionalem Spiel in den frühen Komödien und den späten Stücken, Diss. phil., Frankfurt am Main 1966, S.63;Mautner, Franz Heinrich: Das Wortspiel und seine Bedeutung. Grundzüge der geistesgeschichtlichen Darstellung eines Stilelementes, in:Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 9 (1931), S.679-710, S.680. Die Problematik der Definition desWortspiel wird häufig der eigentlichen Untersuchungen vorangestellt, um die eigene Kategorisierung zu relativieren.3 Eine Zweiteilung der Sekundärliteratur über das Wortspiel aus der Sichtweise der Literaturwissenschaft und der Linguistik ist durchausgegeben, wobei sich jedoch in einzelnen Untersuchungen die Bereiche überschneiden können.
Weitere Details
Erschienen: 17.06.2004
Umfang: 18 S., 0.57 MB
Sprache: Deutsch
ISBN/EAN: 9783638283717
Umbreit-Nr.: 6711462
