Zu: Giacomo Leopardi - 'L'Infinito'
Zusatztext
Die eigenen Erfahrungen und das Verlangen Gefühle, Erinnerungen, Eindrücke und Empfindungen zu erzählen, bilden die Basis für die neuartige Poesie Giacomo Leopardis, die mit Enthusiasmus in den idilli Ausdruck finden. Es sind Gedichte, in denen es kaum historische oder kulturelle Bezüge gibt, sondern die der inneren Gefühlslage Raum zum Ausdruck geben. Das Idyll weißt äußere Beschreibungen der Umwelt auf, um somit die innere Gemütslage des Dichters zu beschreiben. Leopardi wählt l"idillio um von einer freien Poetik Gebrauch zu machen, damit er in der Lage ist, jene unaussprechlichen Gefühle ans Licht zu bringen. L"Infinito ist also Giacomo Leopardis bestes Beispiel eines Idylls, das zwischen dem Frühling und dem Herbst des Jahres 1819 verfasst wurde und es gilt als Leopardis perfekteste lyrische Dichtung, da es frei von intellektualistischen Eingriffen ist. Es wird als das tiefgründigste Gedicht Leopardis bezeichnet, da es viel von seinem eigenen Seelenleben preisgibt. In seinem Ursprung befinden sich weder eine mystische Hingabe, noch ein ausschließlich besinnliches Auftreten und auch keine heftigen und instinktiven Gefühlsausbrüche. Indem der Dichter einen konkreten Zustand bewältigt, findet er den Mut, sich über die Vernunft zu stellen, um die Unendlichkeit des Raums und der Zeit zu erfassen. Es ist das erste Idyll, das von Leopardi im Mailänder Nuovo Ricoglitore veröffentlicht wurde. Leopardi vermittelt in diesem Gedicht mehr als je zuvor das tiefe Einsamkeitsgefühl voller gelassenem und würdevollem Schmerz. Die Landschaft, die Teil einer vertrauten und ländlichen Umgebung ist, dient als Hintergrund für die Erfahrungen seiner Seele. Leopardis Leid nimmt eine kosmische Dimension an, als ob durch seine Traurigkeit die schmerzerfüllte Stimme der ganzen Menschheit in aller Welt und durch alle Jahrhunderte hindurch, zum Ausdruck kommen würde. Die ewige Natur scheint ruhig und unerschütterlich gegenüber den Tränen und der resignierten Melancholie der Sterblichen zu sein. Der Ort der Meditation Leopardis ist der Monte Tabor in Recanati, aber in seinem Gedicht erscheint er weit von der Realität entfernt zu sein, denn wir befinden uns in einer Fantasiewelt. Dennoch führt der abseits gelegene Ort nochmals die Einsamkeit und die Zurückgezogenheit des Dichters vor Augen.
Weitere Details
Erschienen: 26.10.2005
Umfang: 12 S., 0.52 MB
Sprache: Deutsch
ISBN/EAN: 9783638432009
Umbreit-Nr.: 6921554
