Münchhausen: Eine Geschichte in Arabesken
Satirische Rahmenerzählung über Lüge, Standespose und Gesellschaft im 19. Jahrhundert
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Zusatztext
Karl Immermanns Münchhausen: Eine Geschichte in Arabesken entfaltet keinen bloßen Schelmenroman, sondern ein kunstvoll verschlungenes Panorama der Restaurationszeit. In arabesker Form, mit Rahmenhandlungen, Abschweifungen und satirischen Spiegelungen, prüft der Text die Macht der Lüge, die Eitelkeit gesellschaftlicher Rollen und den Zerfall verbindlicher Ordnungen. Zwischen späromantischer Ironie, biedermeierlicher Beobachtung und frühem Realismus steht besonders die bäuerliche Gegenwelt des Oberhofs als ernstes Korrektiv zur grotesken Maskerade des Titelnamens. Immermann, Jurist, Theaterleiter in Düsseldorf und aufmerksamer Diagnostiker des literarischen Marktes, schrieb aus einer doppelten Erfahrung heraus: der bürokratischen Nähe zu staatlicher Ordnung und der künstlerischen Nähe zu Bühne, Publikum und Pose. Seine Biographie zwischen nachnapoleonischer Neuordnung, romantischem Erbe und vormärzlicher Unruhe erklärt die Schärfe, mit der er Bildungssnobismus, adlige Selbstinszenierung und ästhetische Moden bloßlegt. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die erzählerische Kühnheit nicht von historischer Erkenntnis trennen. Münchhausen verlangt Aufmerksamkeit, belohnt sie aber mit komischer Brillanz, kulturkritischer Tiefenschärfe und einer überraschend modernen Reflexion darüber, wie Geschichten Wirklichkeit erzeugen, verfälschen und dennoch bewahren können.
Weitere Details
Erschienen: 15.12.2022
Umfang: 476 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 2.6 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788027351480
Umbreit-Nr.: 7969374
