Schicksale einer Seele
Psychologische Prosa über bürgerliche Ehe, weibliche Selbstbestimmung und frühe Frauenemanzipation
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Zusatztext
Schicksale einer Seele entfaltet als psychologisch akzentuierte Prosa die innere Geschichte eines empfindsamen Bewusstseins, das an den Normen bürgerlicher Weiblichkeit, an Ehe, Pflicht und gesellschaftlicher Zuschreibung gemessen wird. Dohm verbindet erzählerische Beobachtung mit essayistischer Schärfe: Die Handlung erscheint weniger als äußeres Ereignis denn als Analyse seelischer Bewegungen, verletzter Ansprüche und unterdrückter Möglichkeiten. Im Kontext des späten 19. Jahrhunderts steht das Buch nahe bei realistischer Gesellschaftskritik und früher feministischer Selbstbefragung. Hedwig Dohm (1831-1919) gehörte zu den entschiedensten Stimmen der deutschen Frauenbewegung. Als Schriftstellerin, Satirikerin und Theoretikerin wandte sie sich gegen Bildungsverbote, rechtliche Abhängigkeit und die naturbegründete weibliche Unterordnung. Ihre biographische Erfahrung einer Epoche, die Frauen intellektuelle Autonomie nur widerstrebend zugestand, schärfte den Blick für die stillen Gewaltformen des Alltags. Aus dieser Perspektive wird die Seele ihrer Figur zum Schauplatz sozialer Macht. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die Literatur nicht allein als Spiegel privater Empfindung, sondern als präzises Instrument historischer Erkenntnis begreifen. Wer die Vorgeschichte moderner Geschlechterdebatten verstehen will, findet hier ein konzentriertes, stilistisch beherrschtes und intellektuell waches Werk, dessen Fragen nach Selbstbestimmung, Anerkennung und seelischer Integrität bis heute nachwirken.
Weitere Details
Erschienen: 16.12.2022
Umfang: 148 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 0.8 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788027351893
Umbreit-Nr.: 7967682
