Der Oberhof
Westfälisches Dorfleben zwischen Erbhoffolge, patriarchaler Ordnung und ländlichem Realismus
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Zusatztext
Der Oberhof, die berühmte in Immermanns Roman Münchhausen eingebettete Erzählung, führt in die bäuerlich-patriarchalische Welt Westfalens, deren Ordnung durch Brauch, Erbrecht, Hofgericht und religiös grundierte Sitte bestimmt ist. Mit genauer Beobachtung des ländlichen Milieus, zugleich aber mit kunstvoller Stilisierung, entwirft Immermann kein bloß idyllisches Dorfbild, sondern eine poetische Sozialstudie über Bindung, Schuld, Besitz und Gemeinschaft. Literarhistorisch steht der Text zwischen Spätromantik, Biedermeier und frühem Realismus und gilt als wichtiger Vorläufer der deutschen Dorfgeschichte. Karl Immermann, 1796 in Magdeburg geboren und 1840 in Düsseldorf gestorben, war Jurist, Theaterleiter, Kritiker und Erzähler; seine doppelte Erfahrung von Rechtspraxis und literarischer Öffentlichkeit prägt dieses Werk deutlich. Als skeptischer Beobachter der nachnapoleonischen Gesellschaft interessierte ihn besonders der Konflikt zwischen überlieferter Lebensform und moderner Vereinzelung. Der Oberhof verdankt seine Eindringlichkeit gerade dieser Verbindung von juristischem Sinn für Institutionen, historischem Bewusstsein und poetischer Aufmerksamkeit für regionale Kultur. Zu empfehlen ist Der Oberhof allen Lesern, die deutsche Literatur nicht nur als Abfolge großer Namen, sondern als genaue Erforschung gesellschaftlicher Formen verstehen möchten. Die Erzählung bietet erzählerische Spannung, kulturgeschichtliche Dichte und sprachliche Eleganz; sie erschließt eine vergangene Welt, ohne sie unkritisch zu verklären, und bleibt dadurch überraschend gegenwärtig.
Weitere Details
Erschienen: 16.12.2022
Umfang: 216 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 1.2 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788027357376
Umbreit-Nr.: 7970175
