Der Duellant
Ehrenkonflikt, Männerstolz und Gesellschaftskritik im russischen Adel des 19. Jahrhunderts
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Zusatztext
Der Duellant entfaltet in der knappen Form der Erzählung ein präzises Panorama der russischen Adelsgesellschaft, in der persönliche Ehre, männliche Rivalität und gesellschaftliche Pose tödliche Konsequenzen annehmen können. Turgenew zeichnet die Figuren weniger als melodramatische Typen denn als psychologisch beobachtete Menschen, deren Gesten, Schweigen und Selbsttäuschungen die Handlung vorantreiben. Stilistisch verbindet der Text nüchterne Eleganz mit feiner Ironie und steht im Kontext des russischen Realismus, der romantische Heldenbilder kritisch zerlegt. Iwan Sergejewitsch Turgenew, 1818 in eine wohlhabende Gutsbesitzerfamilie geboren, kannte die Welt des provinziellen Adels, ihre Rituale und Widersprüche aus eigener Erfahrung. Seine europäische Bildung, seine Sensibilität für soziale Abhängigkeiten und seine Distanz zur Pose aristokratischer Selbstbehauptung prägen auch diese Erzählung. Der Duellant lässt erkennen, wie sehr Turgenew an moralischer Psychologie interessiert war: Nicht das Ereignis allein zählt, sondern die innere Vorbereitung auf Schuld, Angst und Selbstverlust. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die klassische russische Literatur in konzentrierter Form kennenlernen möchten. Es bietet Spannung ohne Effekthascherei, Gesellschaftskritik ohne Lehrhaftigkeit und Charakterzeichnung von bemerkenswerter Genauigkeit. Wer verstehen will, wie Turgenew aus einem scheinbar konventionellen Ehrkonflikt eine Studie über Macht, Schwäche und soziale Masken macht, findet hier eine besonders eindringliche Lektüre.
Weitere Details
Erschienen: 17.12.2022
Umfang: 44 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 0.3 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788027360147
Umbreit-Nr.: 7970352
