Geschichte eines dicken Mannes
Satirische Prosa der Spätaufklärung über Korpulenz, Selbsttäuschung und bürgerliche Vernunft
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Zusatztext
Friedrich Nicolais Geschichte eines dicken Mannes ist eine satirisch-moralische Erzählung, in der die äußere Körperfülle zur literarischen Versuchsanordnung wird: An ihr zeigen sich Selbstbild, gesellschaftliche Vorurteile, Genuss, Bequemlichkeit und bürgerliche Vernunft. Nicolai verbindet komische Beobachtung mit aufklärerischer Analyse; sein nüchterner, pointierter Stil vermeidet empfindsame Überhöhung und sucht stattdessen die prüfende Distanz. Im Kontext der deutschen Spätaufklärung steht das Werk zwischen Charakterstudie, Gesellschaftssatire und didaktischer Prosa. Nicolai, 1733 in Berlin geboren und 1811 dort gestorben, war Verleger, Kritiker, Buchhändler und eine zentrale Figur der Aufklärung. Als Herausgeber der Allgemeinen deutschen Bibliothek kämpfte er gegen Aberglauben, Schwärmerei und literarische Moden, die ihm unvernünftig erschienen. Seine Erfahrung im publizistischen Streit, sein Interesse an Alltagskultur und sein Misstrauen gegenüber pathetischer Selbsttäuschung prägen auch diese Erzählung: Der "dicke Mann" wird zum Prüfstein sozialer und moralischer Urteile. Empfohlen sei das Buch Leserinnen und Lesern, die Aufklärung nicht nur als abstraktes Ideenprogramm, sondern als genaue Beobachtung menschlicher Gewohnheiten kennenlernen möchten. Nicolais Text bietet Vergnügen, Ironie und historische Erkenntnis zugleich; er zeigt, wie komische Literatur Denkgewohnheiten sichtbar macht. Wer Lessing, Lichtenberg oder die satirische Prosa des 18. Jahrhunderts schätzt, findet hier ein kleines, kluges Dokument bürgerlicher Selbstkritik.
Weitere Details
Erschienen: 17.12.2022
Umfang: 160 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 0.9 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788027361946
Umbreit-Nr.: 7970407
