Am Vorabend
Russischer Realismus um 1860: tragische Liebe, Frauenemanzipation und revolutionärer Idealismus im Moskauer Adel
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Zusatztext
Am Vorabend (1860) entfaltet in scheinbar privater Liebeshandlung ein präzises Panorama Russlands kurz vor den Reformen der 1860er Jahre. Im Zentrum steht Elena Stachowa, deren moralischer Ernst sie von ästhetisierenden Verehrern wie dem Bildhauer Schubin und dem gelehrten Bersenev zu dem bulgarischen Revolutionär Insarow führt. Turgenews klarer, psychologisch nüchterner Realismus verbindet Naturbilder, Dialogkunst und gesellschaftliche Diagnose; der Roman markiert literarhistorisch den Übergang vom "überflüssigen Menschen" zum handelnden, politisch verpflichteten Charakter. Iwan Sergejewitsch Turgenew, 1818 in eine Gutsbesitzerfamilie geboren und durch europäische Bildung, westlerisches Denken sowie die Erfahrung der Leibeigenschaft geprägt, schrieb aus der Spannung zwischen russischer Herkunft und europäischem Horizont. Seine Sensibilität für weibliche Selbstbestimmung, liberale Reformhoffnungen und nationale Befreiungsbewegungen erklärt die Gestalt Elenas ebenso wie Insarows Pathos. Am Vorabend entstand in einer Epoche, in der die russische Intelligenzija nach wirksamer Tat statt eleganter Skepsis verlangte. Empfohlen sei dieser Roman allen Lesern, die russischen Realismus nicht nur als Seelenanalyse, sondern als historisches Frühwarnsystem verstehen möchten. Turgenew zeigt, wie Liebe, Krankheit, Exil und politischer Auftrag ineinandergreifen. Gerade seine Zurückhaltung macht die Tragik überzeugend und den Text bis heute bedeutsam.
Weitere Details
Erschienen: 24.06.2025
Umfang: 116 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 0.7 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788028395001
Umbreit-Nr.: 7095087
